PiNet


Inbetriebnahme

PiNetFür die Flüchtlinge und für ein mir bekanntes Schulprojekt in Nepal war ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, den Raspberry Personen zur Verfügung zu stellen, um im Internet zu surfen und kleinere Bürotätigkeiten machen zu können. Den Linux-Desktop hatte ich schon öfter gesehen, aber hier ging es zusätzlich darum, ein unkaputtbares System zu haben! Eine andere Möglichkeit wäre ein Terminalserver. Das kommt vielleicht später mal.

Auf der Suche nach einem Raspberry-Betriebssystem, welches über ein Netzwerk gebootet werden kann, bin ich auf PiNet gestoßen und fand es auf Anhieb sympathisch, was vielleicht an der netten Abbildung mit den gezeichneten Kindern lag. Jetzt teste ich, ob es mir weiterhin sympathisch bleibt!

Ich schreibe diesen Text ohne viel praktische Erfahrung. Fehler sind also möglich. Das wird später korrigiert.

PiNet ist ein System, wo ein Ubuntu-Linux auf einem vollwertigen PC läuft und den angeschlossenen Clients Boot-Images zur Verfügung stellt. Als Client nutze ich zuerst den Raspberry 2B mittels Netzwerkkarte. WLAN wird nicht unterstützt.

Die Installationsreihenfolge: Zuerst wird auf den PC das Ubuntu installiert. Die Anleitung ist bei Ubuntu (Version 14.04 LTE) zu finden. Bei mir wollte eine CD mit dem Ubuntu meine Festplatte nicht erkennen oder formatieren und so bin ich auf ein Netzwerk-Boot-Image ausgewichen, was zwar auch per CD geladen wurde, aber dann alles Weitere, inkl. des PiNet, über Netzwerk geladen hatte. Das ware die erste Stunde…

Danach die Installation von PiNet (und noch eine Stunde):

$wget –content-disposition http://bit.ly/pinetbeta
$sudo bash pinet

Die Doku ging immer von einer grafischen Oberfläche aus, während ich nur im Terminalmodus aktiv sein konnte. Bei ausreichender Raspi-Erfahrung war das aber kein Problem. Die Konfiguration von PiNet musste dann aber zwingend im grafischen Modus stattfinden. Die Anleitungen bei PiNet sind übrigens ganz ordentlich und ohne englisch geht ja heute sowieso nichts mehr in der Computertechnik.

Endlich ging es zu dem Punkt, wo ein Image vom PC für den Raspberry erstellt wurde, was insgesamt noch 30 Minuten gedauert hatte. Das wird am PC auf eine SD-Karte kopiert. Mit dieser Karte war es dann endlich soweit.

Der spannende Moment: funktioniert das Booten des Raspberry tatsächlich über das Netzwerk?

Bei der Installation des Linux auf dem PC hat es Fehlermeldungen mit „fstab“ und „mtab“ gehagelt und die IP-Adresse des Linuxservers wurde nicht richtig angezeigt. Nachdem alles fertig war, habe ich sinngemäß den Punkt „Update SD-Card“ ausgewählt und bei der Frage, ob alles richtig ist, „Nein“ ausgewählt. Dann hatte ich die Chance die IP-Adresse des Servers einzugeben. Außerdem habe ich auch alles andere aus dem Menü aktualisiert. Zum Schluss habe ich dummerweise noch die grafische Oberfläche installiert, die man bei PiNet auch in der Doku wiederfindet:
sudo apt-get install –no-install-recommends ubuntu-desktop

Danach erfolgt ein Reboot in der Hoffnung, dass die grafische Oberfläche anschließend sofort startet und ich die Chance bekomme, mittels des Ubuntu Disk Manager die minimalen Boot-Dateien auf die SD-Karte kopieren zu können.

Die grafische Oberfläche ist da, zappelt aber hin und her, dass man ganz genervt wird! Und das Aufrufen von „Disks“, um den Datenträgermanager zu starten, verläuft im Sand, weil er gar nicht installiert ist oder zumindest nicht auffindbar ist! Ich habe ihn dann über das Ubuntu-Softwarecenter (linke Symbolleiste, roter Koffer) als „Datenträger – Verwalten von Laufwerken und Medien“ installiert. Daraufhin ist er ebenfalls in der linken Leiste zu sehen und zu starten. Nun kann ich endlich meine SD-Karte füllen – dachte ich! Naja, hätte ja funktionieren können. Der interne SD-Kartenslot wird nicht erkannt. Und ein externer? Ja – und wieder – endlich! Jetzt erscheint das Laufwerk auch im „Dateimanager“ – linke Leiste, Schublade. Da ich aber nicht weiß,, wie ich in den Orden komme, wo mein Boot-Image liegt, nehme ich doch wieder den Gerätemanager und klicke auf meine Festplatte und „Dateisystem…“. Dann wird der Inhalt der Festplatte im Dateimanager angezeigt. In „HOME/username/PIBOOT finde ich die benötigten Dateien, markiere alle und ziehe sie auf die SD-Karte, die ich vorher formatiert hatte. Nach einem Klick auf den Eject-Button kann ich sie herausnehmen und in einen Raspberry einlegen. Wenn nur das nervige Flackern des Linuxservers nicht wäre!!!

Jetzt aber eeeendlich der Moment: Bootet der Raspi? Und woher weiß das System, welche Raspberryversion ich habe?

Die größte Hürde ist genommen! Nachdem ich dem Raspi seine Netzwerkbuchse verkabelt hatte, ist er sofort über Netzwerk hochgefahren. Ich habe einfach den User des Servers zum Anmelden benutzt, bekam aber „Xsession: unable to launch gnome session…“. Vielleicht sollte ich mir noch einen User einrichten. Dazu starte ich „PiNet“ auf dem Desktop, wähle „Manage-Users“ und richte einen Schüler / Studenten ein. Nach drücken irgendwelcher Tasten ist inzwischen auch der Raspi mit dem Desktop soweit. Da ich aber nicht weiß, warum, mache ich einen Reboot. Die Geschwindigkeit der Desktopbedienung des Raspi begeistert mich fast! Leider funktioniert aber weder der Reboot, noch der Shutdown, so dass ich einfach den Stecker ziehe! A new hope…

PiNetDieses Mal melde ich mich mit dem neuen Usernamen an und bekomme auch kein Gemecker! Und schon folgt der Versuch eines Shutdowns! Leider wieder nichts! Schade auch! Der Reboot geht auch nicht, aber immerhin funktioniert das Abmelden. Ich melde mich noch einmal als Student an und möchte an dieser Stelle trotz aller Hindernisse mein ganz großes Lob zu diesem System aussprechen! Ich könnte jetzt sagen, dass ich es nicht besser hätte machen können, aber wer mich nicht kennt, weiß nicht, dass ich das witzig und auch als Kompliment meine. Jedenfalls werde ich das System noch weiter testen und wenn ich es für Nepal empfehlen kann, gibt es zumindest eine kleine Spende an den Entwickler.

Es sieht wie ein typisches Raspbian aus. Es sind diverse Programme installiert, die ich nicht so gerne installiert gehabt hätte. Möglicherweise hilft das Lesen der Doku! smiley
Auch das Abspeichern der Userprofile muss ich bei den Flüchtlingen nicht haben, weil sonst ganz schnell die Festplatte des Servers voll ist. Standardmäßig ist dieses glücklicherweise ausgeschaltet (Share).

Später habe ich dann doch noch eine Möglichkeit des Shutdowns oder des Reboots gefunden: Wenn man sich abgemeldet hat, gibt es unten „Einstellungen“. Dort funktioniert dann Shutdown und auch Reboot! Sehr schön für die Flüchtlinge ist auch die Möglichkeit eine Sprache auszuwählen. Ich muss nur noch herausfinden, wie man dort Sprachen „einbauen“ kann!

Ich habe dann ganz unbedarft die SD-Karte aus dem Raspi 2B in einen Raspi B+ und danach in einen Raspi B gesteckt. Ich weiß nicht, wieso, aber beide konnten damit booten und beide haben mir nach der Anmeldung den Desktop gezeigt, scheinen also zu funktionieren! Logischerweise sind sie spürbar langsamer, als der Raspi 2B. Der Raspi Zero ist leider vom Händler gecancelt.

PiNet funktioniert und ist eine relativ preiswerte und robuste Methode mehrere Personen gleichzeitig mit Internetinhalten oder Office-Anwendungen zu beglücken!