Little grandson


Jeder Entwickler hat ein Ziel vor Augen, wenn er etwas entwickelt. Das Ziel der Entwickler der “Daumino-S” und der “Daumino-M” kenne ich nicht, aber nach einem Test der Daumino-M steht für mich fest:

Diese Box ist die Box mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis bei guter Detailwiedergabe und gleichmäßigem Frequenzgang bis weit in den Bassbereich, die ich kenne! Lass Dich nicht vom unspektakulären Aussehen (und Klang) täuschen! Mit dieser Box kann man glücklich werden!

 

Das ist meine absolute Empfehlung für eine “Regal-Box”!

 

Da ich sie unbedingt als Regalbox für ein volles Regal nutzen wollte, sah ich mich gezwungen, den ursprünglich nach hinten gelegten Bassreflexkanal nach vorne zu verlegen, was eine Veränderung der Box mit sich bringt und ich deshalb einen anderen Namen vergeben habe. Beim Entwickler hatte ich dafür um Verständnis gebeten. Um nicht in Konkurrenz zum Original zu treten, gibt es ausnahmsweise keine Bauanleitung oder Zeichnung auf meinen Seiten. Bitte dazu das Original nutzen! Wer unbedingt den Bassaustritt nach vorne benötigt, darf sich gerne per Mail bei mir melden. Aktuell ist der Schallaustritt des Bassreflexkanals direkt hinter der Schallwand  schräg nach vorne unten, was einen ca. 2 cm hohen Sockel erforderlich macht und zu Höreindrücken führen kann, die vom Original abweichen.


Die Vorgeschichte:
Ich war wieder einmal auf der Suche nach einem Spaßlautsprecher, um Leute für den Lautsprecherselbstbau zu begeistern. Für Standboxen ist es für mich immer noch der SB25JM von Mivoc, selbst wenn ich ihn noch nicht nachgebaut oder gehört habe. Dabei bin ich aber über ein lecker Teil von „Gazza“ gefallen, der mir bei ARTA weitergeholfen hatte und schon mehrmals bei Lautsprecherselbstbau-Wettbewerben gewonnen hatte. Das Teil “Daumino-S” war mit gut 50 Hertz bei 5 Litern knapp unter der Klasse anzusiedeln, wo meine Vergleichsbox Studio2BR-KE zu Hause war (45 Hertz bei 12 Litern). Doch plötzlich gab es die Box auch noch ein bisschen größer von Alexander – Daumino-M mit 40 Hertz aus 8 Litern! Wow! Das schafft nicht einmal meine Box und dann auch noch für ein Drittel des Preises (150 – 200 Euro pro Paar!). Das war und ist in meinen Augen ein Schnäppchen!

Wie bringe ich das meinem Finanzminister bei, wo ich derzeit schon zwei Lautsprecherpaare plus einen Subwoofer auf Halde stehen habe?

Für meine Verwandtschaft in Thailand war ich auf der Suche nach passenden Geschenken, die irgendwie mit mir oder mit Deutschland zu tun hatten. Für die Familie meines Schwagers gab es 2004 drei und für meinen Stiefsohn 2017 ein Lautsprecherpärchen. Nur mein Enkel hatte noch keines bekommen. Das wäre jetzt genau das richtige Geschenk, inklusive seiner Unterstützung beim Zusammenbau (14 Jahre alt)! Und diese Idee half bei der Namensgebung der Box, wobei es eine weitere Deutung gibt:

Diese kleine Box (little) mit ihrem großartigen Klang (grand) ist mir ans Herz gewachsen, wie ein Sohn (son).


September 2018:
Der ältere Sohn meines Schwagers hat echtes Interesse an Regalboxen und so bekommt er dieses Paar. Unbennenen werde ich sie deshalb nicht mehr! 🙂
Der Enkel darf weiterhin erwachsen werden und bekommt in einigen Jahren ein Paar Boxen, die vermutlich besser zu ihm passen: vielleicht die SB25JM von Mivoc?

Ich hatte mich gegen ein Lackieren und für ein Furnieren entschieden. Das innenliegende Brettchen, was für mehr Stabilität sorgen soll, wird senkrecht statt waagerecht eingebaut. Dann hat man durch das Hochtönerloch recht einfach Zugriff auf die darauf montierte Weiche, falls nötig. Klar ist nun auch, dass die Frontplatte komplett schwarz lackiert wird (ok – also doch Lackieren) und der Rest in einem möglichst hellen und nicht zu langweiligen Holzton furniert wird. Für mich habe ich Teakfurnier bestellt (old school), aber das erste Paar wird mit Apfelbaum furniert (Foto ganz unten), um jüngere Nachbauer zu locken. Natürlich wird wieder kein Echtholzfurnier, sondern ähnlich aussehendes Furnier aus Holzschnipsel einheimischer Bäume genutzt (SaRaiFo = Save the rain forest), was sich wegen der papierbeschichteten Rückseite sehr gut und mit einfachen Mitteln (Bügelmethode) verarbeiten lässt.

Inzwischen ist meine Priorität stark gestiegen, eine “echte” Regalbox zu bauen, die auf einem 25cm-Regalbrett Platz hat, welches links und rechts mit Dingen vollgestellt ist. Von daher bleibt als Bassreflexkanalaustritt nur noch vorne, was aber mehr hörbare unerwünschte Frequenzen zur Folge hat. Da muss man wieder einmal Kompromisse machen! Hier ein Entwurf, bei dem zwei Bassreflexöffnungen vorne unten im Boden zwischen den “Vorderhufen” eingeplant sind (in der Abbildung nicht sichtbar), was aber inzwischen wieder verworfen wurde:


Ende Oktober 2018:
Es ging nicht anders!
Noch bevor die Boxen fertig waren, musste ich sie hören! 😳 
Also ganz provisorisch zusammengebaut (Frontplatte mit zwei Schraubzwingen fixiert) und mit meiner Studio2BR-KE verglichen!

Testbeginn (Foto links): Was gut passte, war die gleiche Abstimmung und annähernd der gleiche Klang zwischen den beiden Boxen – besonders bei Mono gut zu hören! Aber dann eine leichte Enttäuschung: Little Grandson (links) war deutlich verhaltener in den Bässen! Schade, aber Physik lässt sich wohl doch nicht überlisten (2/3 des Volumen der Studio2BR) und auch der Preis von nur einem Drittel des Tieftöners hatten dann wohl doch seine Berechtigung. Noch ein Test: Die Verkabelung liegen gelassen, aber die Boxen vertauscht. WOW – geht doch!

Der erste Test hatte mich in die Irre geführt: Die Raumakustik hatte auf der rechten Tischseite für deutlich mehr Bass gesorgt!

Little Grandson kommt mir zwar generell etwas leiser vor, als die Studio2BR, hat aber laut meinem Gehör die Bässe genauso gut drauf, wie die teurere Studio2BR-KE! OK, theoretisch sollten sogar fast 10 Hertz tiefer drin sein, aber vielleicht kann ich das gar nicht hören und außerdem hatte ich den Bassreflexkanal verändert. Die Bassreflexrohre sind bei diesem Prototyen die gelben 1 Zoll Wasserschläche (Foto links)!

Musikstücke zum Testen:
Beim Basstest habe ich einen Titel zu meinen Testtiteln zugefügt: “Hotel California” von den Eagles von der CD “Hell freezes over”. Diese Version des Songs hat eine große Trommel (sehr kräftiger und tiefer Bass), aber auch noch genug andere Instrumente, um als Test sinnvoll zu sein! Für Zischlaute (und grummelden Bass) nutze ich beispielsweise Marla Glenn mit “The cost of freedom” von der Manger-CD. Für den Hörtest einer Trompete, auf die ich schnell “allergisch” reagiere, habe ich die Eagles mit “You belong to the city” von der CD “Farewell Tour”. Um das Wippen des Musikerfußes zu hören, was aber fast nur bei Subwoofern gelingt, habe ich von Eric Clapton “Walkin’ Blues” von der CD “Unplugged” oder auch von Livingston Taylor den Titel “Grandma’s Hands” von der Manger-CD. Wenn man vorsichtig die Sicke mit dem Zeigefinger berührt, sollte es zumindest spürbar sein, aber den Fuß von Eric kann ich immerhin bei diesen Boxen hören! 🙂

Testende (Foto rechts): Tja, was kann denn nun die teurere Box besser (außer ein paar dB mehr)? In meiner Studio2BR werkelt ein KE25SC als Hochtöner. Das machte den Unterschied für mich! Dieser Hochtöner dröselt einfach noch mehr Details auf, als es der Dayton in der Little Grandson kann. Aber der Vergleich ist wegen des fast 10-fachen Preises äußerst ungerecht!


Mein persönliches Fazit:

Wer auf Partybeschallung verzichten kann, seinen erstes oder auch zweites Lautsprecherpaar gebaut hat und nun auf der Suche nach einem unspektakulären Lautsprecher ist, der einfach nur “normal” / ausgewogen klingt und auch nach Stunden nicht nervig ist, wird hier fündig!

Eine kleine Genießerbox für kleines Geld!

Lediglich Personen, deren Verstärker den dreistelligen Eurobereich nach oben hin (fast) verlassen haben, oder Personen mit außerordentlichem “Bass- oder Lautstärkebedarf”, werden vermutlich andere Ansprüche haben. Auch wer konzentriert Details heraushören möchte, wird zumindest dauerhaft etwas anderes suchen müssen. Aber für entspannten Musikgenuss ist es genau das Richtige! Ich habe nun schon zwei Paare davon gebaut und eines wird verschenkt, weil es genau den Einsatzzweck trifft!

Weil den Entwicklern der Lautsprecher ein wirklich toller Preis-/Leistungs-Wurf gelungen ist, hier noch einmal der Link der “Lautsprecherschmiede” des Originals “DAUmino M”: https://www.der-akustische-untergrund.de/speakers/projects-for-beginners/daumino-m/

Hier mein “Abschlussfoto”, auch wenn die Ausführung (besonders die Front) “quick and dirty” und somit nicht ganz gelungen ist (schwarz wurde inzwischen nachgezogen):

 

Noch einmal: Mehr Lautsprecher braucht man kaum!

 

Danke an den Entwickler der Box!

Das Preis-/Leistungsverhältnis bei dieser Qualität wird mich noch nach Jahren begeistern!


Für kreative Boxenbauer als Ideengeber hier meine Light-Variante, die ich für “Leisehörer” (eher “Nicht-Maximal-Lautstärke-Hörer”) mit etwas dünnerem MDF gebaut habe. Auch hier ist der Schallaustritt des Bassreflextunnels wieder vorne unten, da zumindest für mich der theoretisch auftretende Mitteltonanteil zu gering ist, um hörbar zu sein. Beim “Leisehören” dürfte auch der relativ schmale Bassreflexkanal nicht durch Strömungsgeräusche auffallen. – Die Schallwand ist unverändert.


Es ist für mich immer wieder ein Wunder, wie viel Bass aus diesem Böxchen herauskommt, solange sie zumindest eine Unterlage (Schreibtisch) oder eine Wand in der Nähe hat!