Licht


Bei der Anzucht-Sparvariante muss das Sonnenlicht die Hauptrolle spielen. Leider ist das weder ein-, noch auszuschalten und daher nicht planbar. Somit ist der Erfolg noch weniger planbar. Bei zu viel Sonne “verglühen” die kleinen Keimlinge förmlich, weshalb ich nie ein Südfenster für die ersten beiden Monate nehmen würde. Ein Fenster im Osten oder Westen verringert die Verbrennungsgefahr! Bei zu viel Sonne ist eine Jalousie oder Ähnliches zu nutzen! UV-Schutzfolie sehe ich für die ersten 8 Wochen des Keimlings inzwischen als Pflicht an! – Bei zu wenig Licht wachsen die Keimlinge zwar schnell und hoch, sind aber sehr dünn, nicht belastbar und knicken leicht um! Das planbare Licht ist ganz klar DER Vorteil bei der teureren LED-Box-Variante und wird von mir seit 2010 jedes Jahr ausschließlich genutzt!

Wie man an der Teileliste des LED-Zimmergewächshauses erkennen kann, spielt die richtige Farbe beim Licht eine große Rolle. Ich habe viel dazu im Internet gelesen und wenn ich das zusammenfasse, so ist das dunkelblaue Licht (ca. 450 nm) gut für das Wachstum in die Breite und bremst das vertikale Wachstum etwas aus. Dadurch vergeilen die jungen Pflanzen nicht mehr und bleiben gesünder. Gibt man zu viel davon, verbrennen die Keimlinge, wie auch bei anderen Lichtfarben. Ich halte 6 blaue und 4 kalt-weiße 1-Watt-LEDs beim Zimmergewächshaus mit 35 x 21 cm innerer Fläche für optimal. Im Internet findet man nur selten Berechnungsgrundlagen, aber immerhin habe ich einmal 200 Watt pro m² gefunden. Ich halte bei meinen LEDs mit der innen verspiegelten Haube ungefähr 150 Watt pro m² für ausreichend (siehe Beitrag in “Experimentelles/LEDs berechnen”). Das ergäbe rund 11 Watt beim Zimmergewächshaus. Bei genutzten 10 Watt ist es fast ein Volltreffer!

Das von mir genutzte dunkelrote Licht (ca. 650 nm) soll im späteren Anzuchtverlauf die Blütenbildung anregen. Das nutze ich den gesamten Monat Mai bei den Chilis, die im frostgeschützten Gewächshaus draußen stehen. Dazu habe ich 16 rote 3Watt-LEDs auf einer 120 cm langen u-förmigen Aluschiene verteilt, die dann eine Fläche von ungefähr 0,36 m² Licht geben. Das wären also rund 50 Watt auf einem m², was deutlich unter den vorher genannten Werten liegt. Da es draußen aber hin und wieder Unterstützung durch Sonnenlicht gibt, reicht es so einigermaßen. Eine zweite Schiene dieser Art wäre vermutlich eine echte Alternative! Bei noch mehr LEDs pro Schiene wird diese zu heiß! – Natürlich hat auch weißes Licht Rotanteile und wenn man beispielsweise im Spätherbst mit der Anzucht beginnt, sollte man auf weißes Licht bis Januar verzichten, weil sonst Kraft der jungen Keimlinge in die Blütenbildung geht, die eigentlich für das Wachstum und die Wurzeln benötigt werden!

Außer blau und rot nutze ich noch weißes Licht, wobei ich keinen nennenswerten Unterschied zwischen den beiden gängigen Lichtfarben tageslichtweiß (4000K) und kalt-weiß (6500 K) feststellen konnte. Wegen des vermutlich größeren Blauanteils ziehe ich inzwischen kalt-weiß vor. Meine fünf 10-Watt-LED-Fluter, die ich im März / April auf der 1,8 Meter langen Fensterbank nutze, sind aus historischen Gründen wechselweise mit beiden Arten bestückt. Viel wichtiger bei den Flutern ist, dass der hoffentlich vorhandene Schutzleiter nicht nur hineingeführt, sondern auch fest angeschlossen ist. Das ist nicht immer der Fall! LEBENSGEFAHR!

Sollte jemand auf die Idee kommen, lieber preiswerte Kleinleistungs-LEDs nutzen wollen, so kann ich folgende Rechnung für mein Zimmergewächshaus anbieten: Um auf 10 Watt zu kommen, werden gut 200 LEDs benötigt. Es müssen somit 19 x 11 LEDs im Deckel untergebracht werden, um die nötige Leistung zu erbringen! Was für eine Arbeit und wie hoch die Chance einer Fehlfunktion! Vom vermutlich richtigen Blau, welches kaum beschafft werden kann, ganz abgesehen! Also bitte lieber von Anfang an die nicht ganz billigen 1Watt-LEDs mit Kühlfläche (z. B. Alu-Schiene) nutzen. Man tut sich damit selber einen Gefallen!

Eine andere Möglichkeit wäre noch, sich ein fertiges LED-Panel zu kaufen. Aber häufig haben diese nicht das richtige Blau, zusätzlich das zu diesem Zeitpunkt unnütze Rot und einen zu großen Abstand zwischen den LEDs, was eine zu geringe Leistung zur Folge hat!

Nach über sechs Jahren Praxis sehe ich die richtigen Lichtfarben nicht mehr ganz so eng. Sicherlich stellen die oben gemachten Angaben das von mir gedachte Optimum dar, aber eine Anzucht mit weißem Licht ist im Hobbybereich durchaus ausreichend und nicht wesentlich schlechter.


Kurzform:

Für die Anzucht ohne künstliches Licht habe ich keine Tipps, wenn man nicht bereit ist, in sonnenverwöhnte Gebiete umzuziehen! 🙂

Für die Anzucht mit LED-Licht gibt es mehr:

Anzucht von Januar bis Ende März mittels bläulicher und / oder weißer LEDs bei 150 – 200 Watt pro m² bei 10 bis 20 cm Abstand bei rund 16 Stunden pro Tag. Ab April gibt es dann rotes, weißes und Sonnenlicht. Ab Juni reicht reines Sonnenlicht.