Das Starterpack (Starterset)


Mit 20 Euro in die eigene Chilianzucht einsteigen!

StarterPackDiese Anleitung ist aus meiner Internet-Doku Chilianzucht mit Sonnenlicht entstanden und in vielen Teilen gleich, wobei noch mehr Wert auf einen bezahlbaren Einstieg gelegt wurde. Nicht weil Geiz geil ist, sondern um für dieses interessante und naturverbundene Hobby zu werben. Dass man Chilifrüchte inzwischen in diversen Formen und Farben fertig und preiswert kaufen kann, ist mir nicht entgangen. Heutzutage ist man aber leider sehr schnell bereit, sich alles vorsetzen und vorkauen zu lassen. Dabei verliert man leicht die Kreativität und den Spaß am Leben. Wer bereits etwas aus Samen wachsen lassen hat, wird das schöne Gefühl kennen, wenn man auf die daraus entstandene Pflanze und die eigene Ernte blicken kann!

Um diese Doku möglichst kurz zu halten, sind hier nur Dinge genannt, die ich empfehle und die ich getestet habe, wobei auch Dinge zu finden sind, die man nicht unbedingt machen muss. Es sind viele Variationen bei allen Themen möglich. Dazu habe ich weitere Internetseiten erstellt, in denen man bei Interesse noch mehr Informationen finden kann. Da sich dort aber vieles auf die Anzucht mittels LEDs oder auf die Anzucht für Fortgeschrittene beziehen, folgt in diesem Dokument weiter unten noch ein Bereich mit weiteren Informationen zur Anzucht auch ohne LEDs.

 

Was braucht man für einen ersten Versuch um Chilipflanzen aus Samen zu ziehen?

Anzahl Einheit Benennung ca. Preis
1 Stück Zimmer-Gewächshaus 7,00
1 Stück Reptil-Heizmatte 20 Watt 42 x 28 cm mit Eurostecker 8,00
1 Stück Anzuchtplatte (mit 24 Töpfchen) 0,50
1 Stück Styroporplatte Alu-beschichtet 28 cm x 35 cm 0,50
1 Stück 4 Kunststoff-Füße, selbstklebend, 4 mm dick 0,50
1 Stück Gute Anzuchterde – 5 Liter 3,50
24 Stück Chilisamen aus privater Hand 0,00
Summe 20,00

Die relativ günstigen Preise (Stand 2017) kommen teilweise durch Sonderangebote oder durch Bestellungen von Mengen für zwei Personen inkl. Porto zu Stande, wie bei der abgebildeten 10-Liter-Anzuchterde. Wie so Vieles macht auch die Chilianzucht zu zweit mehr Spaß! Entscheident für die große Preisdifferenz zur bisherigen Anzucht ohne LEDs war eine Billigheizmatte (8 statt 30 Euro) und der Verzicht auf nicht ganz so notwendige Dinge. Zusätzlich kann man natürlich weitere Investitionen tätigen, muss es aber nicht!
In meiner einmaligen Verlosung Mitte Januar 2018 gab es zusätzlich diese Teile:
Organischer Dünger, (Einstich-) Thermometer (7 Euro), UV-Schutzfolie (1 Euro), LED-Strahler 10 Watt kaltweiß (warmweiß geht auch), leider nur mit kurzem Kabel + Stecker (15 Euro).
Nach der folgenden Tabelle sind im Text spätere Investitionen in fett und kursiv markiert, wobei man nicht alle tätigen muss. Das Teuerste sind die großen Töpfe im Mai / Juni, aber auch Tomatenerde / Pflanzerde, Dünger oder die kleinen 7 x 7 cm-Töpfe kommen noch hinzu, falls nicht bereits durch Blumenkauf o. ä. vorhanden!

Wer mein Bonuspaket mit den LED-Strahlern erhalten hat und diese nutzt, kann einen Monat früher anfangen und muss dafür bereits Anfang Mai ein Umtopfen in die endgültigen Töpfe in Betracht ziehen (genug Platz?), sofern die Wurzeln den 7×7 cm Topf gut ausfüllen und schon deutlich unten herauswachsen.

 

Was muss man tun?

Monat Wochen Beschreibung Ort Erde Dünger Licht Boden-Temp. [°C]
Februar 1 Samen im warmen Wasser einweichen Zimmergewächshaus 25 – 30
März 4 Samen in Anzuchtplatte keimen lassen Zimmergewächshaus + halbschattige Fensterbank Anzuchterde Sonne 25 – 30
April 8 Keimling in 7×7 cm Töpfen wachsen lassen Wanne vom Zimmerg. + halbschattige Fensterbank Anzuchterde Sonne 18 – 22
Juni – Oktober 12 – 24 Pflanze wachsen lassen; Ernte Großer Topf im Freiland oder im Gewächshaus Tomatenerde / Pflanzerde Tomatendünger Sonne 10 – 30

 

Willst Du es genauer wissen?

Planung: Ich gehe von einer 50%igen Keimrate aus. Bei 24 Kammern einer Anzuchtplatte hätten dann 12 Samen gekeimt. Im Zimmergewächshaus ohne Deckel hätten bis zu 15 Stück 7 x 7 cm Töpfe Platz. Somit ist noch etwas Platz für mehr Keimlinge. Die Menge an zu erwartenden Chilifrüchten dürfte den Jahresbedarf von vier erwachsenen Mitteleuropäern ganz locker decken!

Folgende Chilisorten wurden nach Verlässlichkeit in Norddeutschland von mir als mögliche Kandidaten für das StarterPack (oder Starterset) ausgesucht, wobei auf Anfrage auch andere Sorten möglich sind. Siehe dazu auf meiner Internetseite die Rubrik „Zu verschenken“ in „Übriges“ und die Sorten in „Chili/Sorten“.

Ecuador Purple Fresno (vermutlich nicht sortenrein, aber zuverlässig) Limon Nepalese Bell Numex Twilight Purrira

Ecuador Purple (Schärfe 7, Höhe 40 cm), Fresno (Schärfe 5, Höhe 60 cm), Limon (Schärfe 9, Höhe 50 cm), Nepalese Bell (Schärfe 2, Höhe 80 cm), Numex Twilight (Schärfe 7, Höhe 40 cm), Purirra (Schärfe 7, Höhe 60 cm).

Bevor man anfängt werden alle Dinge, die man zur Anzucht nutzen möchte, erst einmal gründlich gereinigt!

Zeile 1: Ende Februar gibt man die Chilisamen in geeignete mit Wasser gefüllte Behälter (Eiswürfelbehälter oder Zipp-Tütchen) und macht kenntlich, wo welche Chilisorte zu finden ist. Durch das Einweichen kann der Keim leichter aus der Samenhülle herauskommen und später die Hülle leichter abstreifen, die gerne mal hängen bleibt und ein Wachstum ganz verhindern kann. Der Eiswürfelbehälter oder die Zipp-Tütchen sollte in einem geschlossenen, halb mit Wasser gefüllten Zimmergewächshaus auf der angeschlossenen Heizmatte stehen, die wiederum auf dem Styropor liegt. Die Schieber im Deckel sind geschlossen. So sollten knappe 30 Grad Wassertemperatur erreicht werden können. Die Heizmatte darf nie im Wasser liegen, sondern muss zwingend trocken genutzt werden! Ansonsten besteht Lebensgefahr!

Zeile 2: Anfang März legt man die Anzuchtplatte in die Bodenwanne des Zimmergewächshauses und befüllt sie knapp randvoll mit der Anzuchterde. Dann bohrt man in die Erde jeder Kammer mittig ein maximal. 5 mm tiefes Loch mittels eines alten Holzbleistiftes. Nun nimmt man jedes Samenkorn mit einer Pinzette vorsichtig aus dem Wasser, ohne eine herausschauende Wurzel zu beschädigen und legt es einzeln in eines der gebohrten Löcher in der Erde. Wo welcher Samen liegt, sollte man sich notieren! Wenn die Samen untergebracht sind, gibt man 2 bis 5 mm weitere Anzuchterde locker oben auf die gesamte Oberfläche und drückt die Erde leicht mit einem trockenen Teelöffel an.

Anschließend stellt man die Bodenwanne des Zimmergewächshauses auf die bereits angeschlossene Heizmatte, die wiederum auf der Styroporplatte an ihrem vorgesehenen Platz liegt. Nun wird vorsichtig mit einer kleinen Gießkanne so viel Wasser in die Wanne neben der Anzuchtplatte gefüllt, dass die Erde an der Oberfläche feucht schimmert (Wanne ist dabei gut halb voll). Wenn das Wasser später verschwunden ist, gibt man nur noch so viel hinein, dass sich ein Wasserstand von ca. 2 cm ergibt. Damit sollte sich ein Gießrhythmus von jedem zweiten Tag ergeben. Die Erde sollte dabei nie ganz trocken werden, aber zu viel Wasser sorgt für Schimmel! Besonders bei einer Haube ohne nachträglich eingebaute Lüfter ist das ein Problem und sobald die Keimlinge vier Blätter haben, sollte man beispielsweise jeden Samstag tagsüber die Haube entfernen.

Der Deckel bekommt kleine Füße auf den Längsseiten untergeklebt, so dass sich ein Spalt zwischen Deckel und Wanne bildet, der für etwas Frischluft sorgt. Der Deckel liegt also nun mit den Füßen auf der Bodenwanne auf und die Schieber oben sind geöffnet. So ergibt sich eine gerade noch ausreichende Luftzirkulation.

Das Gewächshaus stellt man auf eine nach Osten oder Westen zeigende Fensterbank. Das Fenster oder das Zimmer-Gewächshaus wurden möglichst vorher mit UV-Schutzfolie verklebt, um die Keimlinge vor Sonnenbrand zu schützen. Mit einer Lichtquelle könnte man von oben das Gewächshaus auch woanders betreiben, aber eine langsame Gewöhnung an das Sonnenlicht ist nicht schlecht. Dabei sollte das künstliche Licht 16 Stunden am Tag an sein und nachts aus.

Liegt die mit einem Thermometer gemessene Erdtemperatur oberhalb von 30 Grad, so muss die Heizmatte mittels des Reglers passend eingestellt oder mittels einer mechanischen Schaltuhr im Rhythmus von 15 Minuten ein- und ausgeschaltet werden! Bei unter 25 Grad muss der Regler höher gedreht oder die Raumtemperatur erhöht werden. Das Ergebnis sollte wiederum mit dem Thermometer kontrolliert werden!

Zeile 3: Anfang April nimmt man die Keimlinge sehr vorsichtig aus der Anzuchtplatte heraus ohne die Wurzeln zu beschädigen, wobei Reste der Anzuchterde gerne kleben bleiben dürfen! Nun steckt man sie in ein mit Anzuchterde locker gefüllten 7 x 7 cm Anzuchttopf. Die Wurzeln gehören nach unten! 😊 (Sollten die 5 Liter Anzuchterde nicht reichen, so ist die restliche Anzuchterde mit etwas Tomaten- oder Pflanzerde zu mischen.) – Diese Anzuchttöpfe stellt man in die Wanne des Gewächshauses und stellt diese wiederum auf die bereits genutzte Fensterbank inklusive Styroporplatte, allerdings ohne die Heizmatte! Wasser, Luft und Liebe brauchen die Pflänzchen natürlich auch weiterhin.

Wer zusätzlich mit einer künstlichen Lichtquelle arbeitet, kann diese nun tagsüber ausgeschaltet lassen und nur noch in der Dämmerung von 5:00 bis 09:00 und von 17:00 bis 21:00 Uhr laufen lassen. – Nicht wundern, wenn die Pflanzen eine Wachstumspause machen! Ohne Heizung haben sie wenig Lust zu wachsen! Aber Norddeutschland ist nun einmal kühl und es ist besser, sie jung daran zu gewöhnen. – Die UV-Schutzfolie sollte zwei Wochen vor dem Aussetzen der Pflanzen nach draußen entfernt werden.

Was immer wieder sehr wichtig ist und ohne dieses klappt die Anzucht nicht: GEDULD! 😊

Zeile 4: Anfang Juni sollte spätestens der letzte Bodenfrost gewesen sein und man topft die Chilis ein letztes Mal um. Jetzt nimmt man Töpfe mit 15 bis 30 cm Durchmesser und füllt diese mit guter, lockerer Tomatenerde (oder Pflanzerde) und einer Gabe eines geeigneten (organischen) Düngers. Je größer der Topf, desto größer kann die Pflanze wachsen, wobei die Sorten natürlich über ihre genetischen Eigenschaften nicht hinauswachsen können. Optimal wäre nun ein wind- und regengeschützter sonniger Platz im Garten, wobei Regen- und Windschutz nicht so wichtig sind, wie Sonne und Wärme!

Die Ernte der Chilis kann zwar auch im unreifen Zustand erfolgen, aber sinnvollerweise lässt man die Chilis reifen, bis sie ihre endgültige Farbe erreicht haben (häufig rot) und sie außerdem relativ einfach, aber nur ganz leicht zusammenzudrücken sind. Spätestens wenn ihre Haut runzlig wird, sollte man sie (aus optischen Gründen) ernten! Wer Samen für das nächste Jahr ernten möchte, lässt bereits reife Früchte noch eine Woche liegen, bevor der Samen entnommen wird.

Überwinterung: Mir ist die Mühe zu groß, da es aus meiner Sicht einfacher ist, jedes Jahr neue Chilis aus Samen wachsen zu lassen. Der Vorteil bei überwinterten Pflanzen ist die frühere Reife der Früchte. Dafür hat man im Winter alle Hände voll zu tun, kleine Tierchen fernzuhalten, was mit einem hellen kühlen Platz bei wenig gießen und häufigem Wassersprühen der Pflanzen gelingen könnte.

Verarbeitung und Verzehr:
Die Lagerung reifer Chilis kann entweder durch Trocknung oder mindestens genauso gut im Gefrierfach in einem beschrifteten Beutel (Inhalt, Datum) erfolgen. Bei Bedarf holt man sie aus dem Gefrierfach heraus, schneidet sie zuerst klein und nutzt sie erst danach für die Zubereitung einer Mahlzeit. Besonders dickfleischige Früchte sollten eingefroren werden, da sie beim Trocknen schnell schimmeln könnten! Wenig scharfe Chilis isst man frisch. Dann schmecken sie am besten!

Das Tragen von Einmalhandschuhen kann bei der Verarbeitung nicht schaden und Brillenträger sind eindeutig im Vorteil. Gute Belüftung sorgt für hustenfreies Arbeiten! Händewaschen ist gut gemeint, hilft aber kaum, wie auch das Trinken von Wasser bei zu viel Genuss! Fetthaltige Stoffe sind zur “Kühlung” am besten geeignet! Nase putzen sollte man mit “Chilifingern” vermeiden. Wenn man in den Augen gerieben hat, hilft es nur abzuwarten, bis der Schmerz nach ca. 15 Minuten endlich vorbei ist! ☹

Optimierungen: Die sinnvollste Optimierung bei der Anzucht ist neben der Heizmatte die Nutzung von künstlichem Licht. Meine Versuche haben ergeben, dass unter meinen Bedingungen LED-Licht (besonders dunkel blau) gut funktioniert. Aber jeder ist aufgefordert, selber zu experimentieren. Der Anhaltswert von 10 „LED-Watt“ bei einem Abstand von 10 cm zwischen Lichtquelle und Pflanze, sowie einer Anzuchtfläche von 20 x 30 cm wäre aber mindestens einzuhalten. Wer mit Lichtstrom rechnet, dem sei gesagt, dass es sich bei obiger Rechnung um ca. 1000 Lumen handelt. Lichtfarben sind auch wichtig, aber nach meinen Tests hat kaltes LED-Licht ausreichend positive Ergebnisse gezeigt. Es muss also nicht zwingend tiefblaues oder tiefrotes Licht sein! Tiefblaues Licht dient der Kräftigung und tiefrotes Licht der Blütenbildung.

Wer mehr zu Optimierungen wissen möchte, fragt mich einfach oder sieht auf SpassAmHobby.de in Chili/Praxistipps nach! – Bleibt nur noch ein Wunsch:

 

😊 Viel Spaß bei der Anzucht der kleinen scharfen Freunde! 😊