Chilianzucht mit Sonnenlicht


Die Motivation:

  Rocoto-not-brown

Um diese Doku möglichst kurz zu halten, schreibe ich hier nur die Dinge auf, die ich empfehle und die ich getestet habe, wobei auch Dinge zu finden sind, die man nicht unbedingt machen muss. Es sind viele Variationen bei allen Themen möglich. Dazu habe ich eigene Seiten erstellt, in denen man bei Interesse viele weitere Informationen finden kann (siehe Information rechts). Da sich dort aber viele Informationen auf die Anzucht mittels LED beziehen, folgt weiter unten noch ein Bereich mit weiteren Informationen zur Anzucht ohne LEDs.

Was braucht man für einen ersten Versuch um Chilipflanzen aus Samen zu ziehen?

Anzahl Einheit Benennung Hersteller Lieferanten ca. Preis [€] Gesamtpreis
1 Stück Zimmer-Gewächshaus Gian + Heizmatte Romberg Internet 40,00 40,00
1 Stück UV-Schutz Gewächshausfolie Internet 5,00 5,00
1 Stück 3x Anzuchtplatte (mit 24 Töpfchen) Romberg Internet 4,00 4,00
1 Stück Styroporplatte Alu-beschichtet 28cm x 35cm und mehr als 1cm dick Baumarkt 3,00 3,00
1 Stück 4 Kunststoff-Füße, selbstklebend, 4 mm dick (zig Stück)   Internet 2,00 2,00
1 Stück Anzuchterde 10 Liter CompoSana Baumarkt 5,00 5,00
1 Stück Thermometer   Internet 10,00 10,00
1 Liter Wasser (möglichst Regenwasser) 0,00 0,00
24 Stück Chilisamen 0,00 0,00
Summe         Euro rund 70

Unten im Text “Genauer” sind zusätzliche Dinge “eingefettet” 🙂 , so dass man die 100 Euro im ersten Jahr locker überschreiten kann!

Wem das Obige zu teuer ist, der solte sich das Starterpack ansehen!

 

Was muss man tun?

Monat Wochen Beschreibung Ort Erde Dünger Licht Temp. [°C]
Februar 2 Samen im warmen Wasser einweichen Bodenwanne       25 – 30
März 4 Samen in Anzuchtplatte keimen lassen Zimmer-Gewächshaus Anzuchterde   Sonne 25 – 30
April 8 Keimling in 7×7 cm Töpfen wachsen lassen halbschattige Fensterbank Anzuchterde   Sonne 18 – 22
Juni –
November
12 – 24 Pflanze im großen Topf wachsen lassen;
Ernte
Freiland oder Gewächshaus Pflanzerde Jaeger Bio-Chili-Tomatendünger”
(NPK 7-7-10)
Sonne 10 – 35

Genauer?

Planung: Ich gehe von einer 67%igen Keimrate aus. Bei 24 Kammern einer Anzuchtplatte sind dann 16 Samen gekeimt. Ich bekomme 15 Töpfe mit 7×7 cm in ein Zimmergewächshaus, somit ist durchschnittlich ein Keimling übrig. – Die Chilisorten werden in Bezug auf Pflanzengröße, Schärfe, Ergiebigkeit in Norddeutschland und Geschmack ausgesucht.

Zeile 1: Mitte Februar gibt man die Chilisamen in geeignete mit Wasser gefüllte Behälter (Eiswürfelbehälter oder Zipp-Tütchen) und macht kenntlich, wo welche Chilisorte zu finden ist. Damit wird die Samenhülle etwas aufgeweicht, der Keim kann leichter herauskommen und die Hülle leichter abstreifen. Der Behälter sollte in einem geschlossenen Zimmergewächshaus auf der angeschlossenen Heizmatte stehen, die wiederum auf dem Styropor liegt. So sollten rund 30 Grad Wassertemperatur erreicht werden.

Zeile 2: Anfang März nimmt man jedes Samenkorn aus dem Wasser und legt es einzeln oben auf die Erde in eine Kammer der mit Anzuchterde gefüllten Anzuchtplatte. Wenn die Samen untergebracht sind, gibt man 2 bis 4 mm weitere Anzuchterde locker oben auf den Samen und drückt ihn leicht mit einem trockenen Teelöffel an. Anschließend legt man die Anzuchtplatte in die Bodenwanne des Zimmergewächshauses, die auf der angeschlossenen Heizmatte und der darunterliegenden Styroporplatte liegt. Der Deckel bekommt kleine Füße untergeklebt, so dass sich ein Spalt zwischen Deckel und Wanne bildet. Zusammen mit den aus dem Deckel entfernten Schiebern ergibt sich eine ausreichende Luftzirkulation. Das Gewächshaus stellt man auf eine nach Osten oder Westen zeigende Fensterbank. Das Fenster wurde vorher mit UV-Schutzfolie verklebt. Abschließend wird noch soviel Wasser in die Wanne gefüllt, bis sich ein Wasserstand von 2 cm ergibt. Wenn das Wasser später verschwunden ist, gibt man nur noch soviel hinein, dass sich ein Wasserstand von 1 cm ergibt. Die Erde sollte nie ganz trocken werden! Sollte die mit dem Thermometer gemessene Erdtemperatur über 32 Grad steigen, so muss die Heizmatte mittels einer mechanischen Schaltuhr im Rhythmus von 15 Minuten ein- und ausgeschaltet werden! Das Ergebnis sollte mit dem Thermometer kontrolliert werden!

Zeile 3: Sobald die Keimlinge an den Deckel stoßen oder spätestens nach 8 Wochen, nimmt man sie sehr vorsichtig aus der Anzuchtplatte heraus ohne die Wurzeln zu beschädigen und steckt sie in ein mit Anzuchterde locker gefüllten 7×7 cm Anzuchttopf. Diese Anzuchttöpfe stellt man in eine kleine Wanne und stellt diese wiederum auf die bereits genutzte Fensterbank, allerdings ohne die Heizmatte. Die Styroporplatte kann weiterhin genutzt werden und Wasser brauchen die Pflänzchen natürlich auch weiterhin.

Zeile 4: Ende Mai / Anfang Juni sollte der letzte Bodenfrost gewesen sein und man topft die Chilis ein letztes Mal um. Jetzt nimmt man Töpfe mit 10 bis 30 cm Durchmesser und füllt diese mit guter Pflanzerde und einer Gabe eines geeigneten Düngers. Je größer der Topf, desto größer kann die Pflanze wachsen, wobei die Sorten natürlich über ihre genetischen Eigenschaften nicht hinauswachsen können. Optimal wäre nun ein wind- und regengeschützter sonniger Platz im Garten! – Die Ernte der Chilis kann zwar auch im unreifen Zustand erfolgen, aber sinnvollerweise lässt man die Chilis reifen, bis sie ihre endgültige Farbe erreicht haben (häufig rot) und sie außerdem relativ einfach, aber nur ganz leicht zusammenzudrücken sind. Spätestens wenn ihre Haut runzlig wird, sollte man sie ernten. Rocotos, also Capsicum pubescens, holt man vor dem ersten Frost ins Haus, damit ihre Früchte bis Weihnachten Zeit haben reif zu werden. Wer Samen für’s nächste Jahr ernten möchte, lässt bereits reife Früchte noch eine Woche schattig liegen, bevor der Samen entnommen wird.

Überwinterung: Mir ist die Mühe zu groß, da es aus meiner Sicht einfacher ist, jedes Jahr neue Chilis aus Samen wachsen zu lassen. Der Vorteil bei überwinterten Pflanzen ist die frühere Reife der Früchte. Dafür hat man im Winter alle Hände voll zu tun, kleine Tierchen fernzuhalten, was mit einem hellen Platz bei wenig gießen und häufigem Sprühen der Pflanzen gelingen könnte.

Verzehr:
Die Lagerung reifer Chilis kann entweder durch Trocknung (vorzugsweise bei dünner Schale) oder mindestens genauso gut im Gefrierfach in einem Beutel erfolgen. Bei Bedarf gibt man sie später in gewünschter Menge kleingeschnitten ins Essen. Einmalhandschuhe können bei der Verarbeitung nicht schaden und Brillenträger sind eindeutig im Vorteil. Händewaschen ist gut gemeint, hilft aber kaum, wie auch das Trinken von Wasser bei zu viel Genuss! Fetthaltige Stoffe sind zur “Kühlung” am Besten geeignet!

😀  Viel Spaß mit diesen scharfen Früchtchen!  😀