Aufbau des LED-Mini-Gewächshaus


Chilianzuchtbox Haube

Diese Seite hat zwei ausführliche Themen:
Zusammenbau des LED-Zimmergewächshauses
Befüllung der Box (ohne LEDs)
Die eigentliche Teileliste ist in der Anzuchtanleitung mit LED-Licht zu finden!

Zusammenbau des LED-Zimmergewächshauses

Im Folgenden scheint tiefblaues Licht mein “Allheilmittel” zu sein. Als Erklärung dazu sei gesagt, dass wir jährlich rund 80 Chilipflanzen für den Eigenbedarf haben und gut 50 Pflanzen verschenken. Wenn diese als Jungpflanzen mit 20 bis 30 cm Durchmesser bis Ende Mai im Haus stehen würden, könnten wir normalerweise nicht mehr zutreten! Dass es trotzdem geht habe ich dem blauen Licht zu verdanken. Tiefblaues Licht (450 nm Wellenlänge) lässt die Chilis in der Vertikalen langsamer wachsen. Die Stämme und die Blätter werden kräftiger und die Pflanzen bekommen das nötige Alter bzw. die Reife, um nach dem letzten Frost draußen bei Sonnenlicht möglichst schnell zu blühen und zu fruchten. Nachteil: Durch die lange Zeit in der nährstoffarmen Erde kommt es leicht zu Mangelerscheinungen. Dem versuche ich 2017 durch wenig Zugabe von Dünger entgegenzuwirken.

Um den Übergang im Juni nicht zu hart zu machen, nutze ich für die älteren Keimlinge auf der Fensterbank weißes Licht (ca. 6000 Kelvin), was in relativ geringen Mengen rot und blau enthält und damit dem Sonnenlicht näher kommt. Im Mai kommt dunkelrotes Licht (660 nm Wellenlänge) im leicht beheizten Gewächshaus dazu, welches die Blütenbildung ankurbelt. Das kann durch passenden Dünger weiter beschleunigt werden.

Die von mir verwendete Anzuchtbox mit ca. 25 x 35 cm ist nur als eines von vielen funktionierenden Beispielen zu sehen. Mit einem Freund zusammen habe ich auch ein 60x20cm Fensterbank-Zimmergewächshaus (Romberg) umgerüstet! Es funktioniert genauso gut! Es haben sich bei mir auch schon Personen gemeldet, die eigene Ideen umgesetzt haben, um für sich selber das Optimum zu erreichen. Dort wurden Boxen aus anderem Material und mit einer anderen Form gebaut. Kreativität wird also durch dieses Hobby gefördert!

Die LEDs machen genug und vor allem planbares Licht! Eine Fensterbank ist somit bei der LED-Variante nicht geeignet oder man blockiert das einfallende Sonnenlicht! Ich habe dazu tatsächlich eine grüne Folie gekauft, die nur wenig (UV-)Licht durchlässt.

Wer keine optimalen Stellflächen und kein optimales Mikroklima für Keimlinge ab 15cm Höhe hat, sollte, wie auch bei der Anzucht ohne LEDs, erst Mitte März mit der Aussaat beginnen! Ansonsten verspargeln die jungen Pflanzen bis Ende Mai!

Die im obigen Foto sichtbaren zwei Miniaturlüfter oben auf dem Deckel sind ohne sichtbare Keimlinge unnötig und kontraproduktiv und bleiben in dieser Zeit ohne Strom. Die vier Kunststoff-Füße reichen aus, den Schimmel im Zaum zu halten. Dadurch brauchen beim Verkleben der Haube mit Alu- oder Spiegelfolie die seitlichen Lüftungslöcher nicht mehr freigehalten zu werden. Damit die Lüfter wegen des Schimmels später dauernd laufen können, habe ich die Heizung dauerhaft laufen lassen, um die gewünschte Temperatur zu erreichen.

Das blaue LED-Licht, die Luft der Lüfter und die nun etwas kühlere Temperatur sorgen für kräftigere Keimlinge und sorgen durch geringeres vertikales Wachstum dafür, dass die Keimlinge länger in der Box mit dem optimalen Klima verbleiben können.

Der Ablauf für den Einbau der LEDs:
Wer die Verspiegelung der Haube von innen mit der Verspiegelungsfolie macht, der muss mit dieser beginnen! Sie ist zwar nicht ganz undurchlässig, aber dadurch kann man beim LED-Licht schemenhaft die Keimlinge erkennen. Erst danach werden die zwei Aluschienen für die Anzuchtbox passend auf 30 cm Länge abgesägt. Darauf werden die LEDs nach untenstehendem aktuellen Schema mittels Zwei-Komponenten-Wärmeleitkleber aufgeklebt (nur dünn, aber vollflächig). Von der gleichen Firma gibt es einen halb so teuren Zwei-Komponenten Alukleber, der ausreichend gut ist.

Wenn der Kleber nach einem Tag trocken ist, werden die LEDs nach dem untenstehenden Schema mittels Litze oder Draht verbunden. Die Plus- und Minuspole sind mehrfach auf den LED-Platinen aufgebracht. Es ist egal, welchen von den drei Pluspolen oder welchen von den drei Minuspolen man jeweils benutzt. Plus und Minus sind natürlich unbedingt zu beachten! Um die LEDs thermisch und mechanisch nicht unnötig zu belasten, nutzt man am besten nur die freien Kontaktflächen!

Die LEDs bitte nur kurz mit einem passenden Lötkolben erhitzen! Maximal 3 Sekunden bei einem geregelten 50-Watt-Lötkolben! Es sind empfindliche Halbleiter! Und wer zu lange heizt, bekommt außer einer kaputten LED auch noch heiße Finger! Außerdem sind die Kunststoff-“Lupen” auf den (Winger-)LEDs nur schwach befestigt und vertragen nicht viel mechanische Belastung und erst recht keinen heißen Lötkolben! Wenn sie abfallen und nicht wieder befestigt werden können, kann man die LED entsorgen und möglicherweise die ganze Alu-Schiene oder die ganzen Haube! Da im Dezember 2016 wieder einige heruntergefallen sind, rate ich von der Verwendung von Winger-LEDs komplett ab!

Zwei 1 m lange Stücke Litze (=Niederspannungskabel) schließt man jeweils an einem Pol an der Niederspannungsseite des Netzteils an (ein Anschluss hat ein braunes und einer ein blaues Kabel) und führt es in Richtung Anzuchtbox. Das erste Kabelstück der Anzuchtbox muss lang genug sein, um später vom gerade verlängerten Niederspannungskabel (bei mir braun) zu der ersten LED zu führen (Pluspol!). Der Minuspol der letzten LED wird später mit einem langen Kabelstück mit dem verlängerten Minuspol des Netzteils (bei mir blau) mittels einer weiteren Klemme verbunden. Eine Zugentlastung an der Haube wäre gut. Dazu reicht es schon, einen Knoten auf der Innenseite der Haube ins Kabel zu machen. Für einen optimalen Sitz des Kabels mache ich auch noch einen Knoten auf der Außenseite der Haube. (Ich hatte auch schon ein Netzteil, wo blau und braun vertauscht waren.)

Wenn alles angelötet ist, kann man endlich die Aluschienen mittels eines geeigneten Klebers (hier Dachrinnenkleber – stinkt – auf gute Belüftung achten!) in die Haube satt einkleben, eventuell mit Klebeband vor verrutschen sichern und einen Tag trocknen lassen. Qualitativ gute Kleber sind sehr wichtig. Ein durchsichtiger Schmuckkleber von Bocoll/Boldt scheint für diese Aufgabe ebenso geeignet zu sein und ist weniger auffällig. Wenn alles auf die Keimlinge herunterfallen würde, wäre es ärgerlich! Das habe ich bereits getestet! smiley

Tipp: Die eingeklebten LEDs sollten bei geschlossenem Deckel nach unten zur Wanne zeigen! 😉

Aktuelles Schema der LEDs im Deckel:
Schema der LEDs

Die blauen und gelben Quadrate sollen die farbigen LEDs darstellen, während der grüne Strich die Leitung darstellt. Gelb bedeutet “weiße LED” und blau “royalblaue LED”. Für das computergesteuerte Gewächshaus waren beim ersten Test zwei Netzteile erforderlich, weil man dann einen Stromkreis für die weißen und einen für die blauen LEDs braucht, sofern man auf farblich natürliche Bilder bei Einsatz der Webcam Wert legt. Es hat sich später gezeigt, dass zumindest mir die Bildqualität eines Fotos mit blauem und weißem Licht vollkommen reicht und somit keine Trennung der Stromkreise für weiß und blau erfolgen muss! Deshalb wurde der Punkt fallengelassen.

Der Abstand der zwei parallelen Alu-Schienen (300 x 30 x 3 mm) beträgt 12 cm von Schienenmitte zu Schienenmitte.
Folgend die Abstände der LED-Mitte vom linken Rand (von links nach rechts):
blau 4,5 cm; weiß 7,5 cm; blau 15 cm; weiß 22,5 cm; blau 25,5 cm.

Hier zwei Fotos der aktuellsten Box für 2014, 2015 und 2016 mit 10 LEDs und mit Lüfter (“falsch herum”):

Box 2014 Box 2014 Haube 2014

Statt der 30 mm breiten Schiene mit 2 mm Dicke darf es auch Alu-L-Profil 30 mm breit und 2 mm dick sein. Dieses (teilweise rot umrandet) und der etwas hässliche graue Dachrinnenkleber auf den Aluschienen sind oben auf den unteren beiden Fotos mit Lüfter zu sehen! Auf dem dritten Foto ist die Verkabelung besonders gut zu erkennen. Die Laufrichtung der Lüfter ist auf allen drei Fotos aus April 2014 noch falsch. Die Verspiegelung, die vor jeglichen anderen Aktionen innen eingeklebt werden sollte, fehlt hier auch noch.

LüfterSeit September 2014 empfehle ich die Lüfter so einzubauen, dass sie die verbrauchte Luft aus dem Gehäuse saugen. Dadurch wird der Schimmel größtenteils aus der Box herausgesaugt. Die Luftrichtung und die Drehrichtung ist auf dem Lüfter aufgebracht (siehe Foto links).

Damit die Lüfter nicht in den Deckel hineinfallen, klebe ich vier Klebstreifen von innen auf die Ränder der Deckelausschnitte. Dadurch verringert sich der Ausschnitt und die Lüfter werden locker auf den Klebstreifen platziert. Dann kann mit einer Kartusche das Bausilikon (Bau- und Dachdichtstoff) zwischen Lüfteraußenwand und Deckelausschnitt gebracht werden. Anschließend drückt und glättet man den Dichtstoff mit einem angefeuchteten seifigen Finger. Nach einem Tag Trocknungszeit ist der Dichtstoff fest genug, um die Restarbeiten am Deckel zu machen, wie den elektrischen Anschluss mit Zugentlastung. Die Klebstreifen entfernt man aber erst nach einer Woche, da das Bausilikon lange Zeit weich ist. Früher sollte die Haube nicht in Betrieb genommen werden!

2016: Irgendwie muss noch für eine Zugentlastung der Lüfterleitungen gesorgt werden, da diese sonst direkt am Lüfter abreißen können! Ein quick-and-dirty-Vorschlag: Mittels Heißkleber fixiert man einfach die zweimal zwei dünnen Leitungen in der Deckelmitte.

Das inzwischen gut bewährte Schema aus 2014, 2015 und 2016 enthält 4 pur-weiße oder auch warm-weiße LEDs. Die 6 royalblauen LEDs sorgen für einen kräftigen horizontalen Wuchs. Die weißen LEDs sollen für den vertikalen Wuchs sorgen und regen später durch ihren Rotlichtanteil die Blütenbildung an. Dass meine Pflanzen meistens etwas weniger hoch aber dicker und damit stabiler sind, als bei anderen, ist mir recht!

Verspiegelung von außen: Wer die Verspiegelung von innen nicht machen möchte, kann auch von außen verspiegeln. Diese kann mit Hilfe einfacher Küchen-Alufolie und Klebstreifen nachträglich angebracht werden (Spiegelung nach innen). Nur die Oberseite des Deckels bleibt frei, damit man hinein sehen kann ohne den Deckel anzuheben.

Die Höhe des Wasserstands ist allerdings von oben nicht genau zu erkennen. Das ist ein noch offener Punkt, den ich demnächst mittels des “LED-Modul weiß” aus der Materialliste angehen werde. Ich habe vor, dieses spritzwassergeschützte LED-Modul an eine Ecke der grünem Bodenwanne zu kleben. Dann sollte an dieser Ecke im 90-Gradwinkel der Wasserstand gut zu sehen sein. Später gibt es ein Foto dazu. Angeschlossen wird dieses 12-Volt-Modul an den gleichen Anschluss, wie die kleinen 12-Volt-Lüfter. Das Lüfter-Netzteil schafft die zusätzlichen 0,2 Watt locker. Hoffentlich ist es hell genug!

Das Netzteil der LEDs wird von einer Schaltuhr zwischen 06:00 Uhr und 22:00 Uhr mit Strom versorgt. Das ergibt 16 Stunden Licht pro Tag bei 8 Stunden Ruhezeit. Die Pflanzen brauchen die Ruhezeit unbedingt, wie wir Menschen auch!

Die Samen lasse ich mit durchlaufender Heizung keimen. Dafür habe ich sie eine Woche in jeweils einem beschriftetem Plastiktütchen pro Sorte mit verdünnter Salpeterlösung im warmen Wasser eines “Extra-Gewächshauses” ohne Licht liegen. Nach dieser einen Woche wird die Lösung aus jedem Tütchen entfernt und durch einfaches Leitungswasser ersetzt. Nun kommen sie wieder für eine Woche zurück in das beheizte “Extra- Gewächshaus”. Anschließend werden sie in ein beleuchtetes Gewächshaus in das Erdgemisch gelegt. Die Erdtemperatur liegt nun bei 26 Grad bei 7x7cm-Töpfchen. Ich werde in der Chilisaison 2017 wieder auf die Anzuchtplatte wechseln, um eine höhere Temperatur bei weniger Energieverbrauch zu bekommen. Mein Ziel ist 30 Grad bei 50% Energieersparnis. Außerdem verspreche ich mir vom Umtopfen und dem späteren Düngen gesünder aussehende Pflanzen!

Vorsicht! 230 Volt!

230 Volt und Wasser sind eine lebensgefährliche Mischung! Daher gut voneinander trennen!

Selbst die Spannung für die LEDs kann für manch einen zu hoch sein! Bei ca. 3 Volt pro LED gibt das Netzteil bei 10 LEDs rund 30 Volt ab!

Die LEDs sollten unbedingt die entsprechende Farbe (royalblau => 450 nm) haben, da mit “einfach” blauem Licht schlechtere Ergebnisse zu erwarten sind! Projekte mit ausschließlich warm-weißen oder pur-weißen 1Watt-LEDs funktionieren auch, verschwenden aber Energie, da große Bereiche im Farbspektrum durch die Pflanze nicht genutzt werden. Auch die Leistung sollte nicht abweichen. Bei 3-Watt-LEDs würden die kleinen Keimlinge verbrennen, wenn es die Netzteile liefern würden. Bei weniger als 1-Watt-LEDs würden sie verspargeln, da die Lichtausbeute viel zu gering ist! – Sogar der Abstrahlwinkel muss im Groben eingehalten werden. Sonst passt die Lichtverteilung im ganzen Anzuchtkasten nicht mehr! Gleiches gilt für die Größe des Anzuchtkastens! Wer selber rechnen möchte, findet Informationen in meinen Formeln in Experimentelles.

In einigen Artikeln im Internet wird kaltweißes Licht dem warmweißen Licht bevorzugt. Diese Erfahrung habe ich nicht so deutlich gemacht, dass ich einfach zustimmen könnte, aber wenn man nur mit weißem Licht (ohne blaues) arbeitet, ist ein weiß mit höherem Blauanteil sicherlich vorzuziehen!

Die folgende Materialliste beinhaltet kein Werkzeug, keine Reserven und keine Versandkosten! Sie ist komplett und nicht nur ein “Update” der Einsteigerbox!

Ich empfehle eine blaue und eine weiße LED extra zu kaufen, falls mal etwas “passiert”. Wer mehr als eine Anzuchtbox betreibt, braucht noch zusätzlich zwei Mehrfachsteckdosen.

Die Töpfchen der Anzuchtplatte müssen alle von unten angebohrt sein (ca. 5 mm), damit das Wasser an die Samen / Keimlinge herankommt. Bei der “Botanico Let’s Grow” Topfplatte sind diese vorhanden, machen die Sache aber etwas teurer, dafür spart man etwas Wasser, weil durch die überstehenden Ränder weniger verdunstet.

Einige Dinge braucht man nur einmal zu kaufen, weil die Menge für viele Boxen ausreicht; so z. B. die Kleber. Selbst von den teuren Klebern darf man aber keine Wunder erwarten! Auch diese (Arctic Silver, Dachrinnenkleber) halten nicht ewig! Vor jeder neuen Saison sollten die Klebestellen geprüft und bei Bedarf erneuert werden!

Gewächshaus plus Heizmatte bekommt man manchmal zusammen günstiger, deshalb habe ich sie zusammen aufgeführt.

2015 habe ich die in der Liste genannten “LUXEON Rebel LXML PR01 0500, royalblau, 520mW, mit Platine (Star)” und “Seoul Z-LED P4, weiß, 240lm, mit Platine (Star)” problemlos genutzt. Trotz des höheren Preises ersetzen sie die Winger-LEDs in der Materialliste, da bei mir Sicherheit vor Preis kommt, solange es bezahlbar ist.

Die “Nichia NS6W183BT” wurde von mir übersehen, könnte die Seoul-LEDs ersetzen und ist rund 3 Euro pro Stück preiswerter!

Sie werden im nächsten Mini-Gewächshaus im Juli 2016 genutzt. Gekauft für 1,45 bei Pollin plus 0,80 für die nötige Star-Platine bei LEDs.de.


Befüllung der Box (ausführliche Version)

Was aus meiner Sicht trotz des Sparens Pflicht ist, ist eine gut belüftete Anzuchtbox und auch unbedingt die Heizmatte! Erdtemperaturen von unter 22 Grad bringen nur selten die Samen zum Keimen und dann wäre durch diese Sparmaßnahme der Spaß an der Aufzucht von Chilis dahin! Das wäre doch schade! Möglicherweise gibt es auch ein Plätzchen in Deiner Wohnung, wo Temperaturen zwischen 26 bis 32 Grad möglichst konstant vorherrschen. Dann könnte man die “Fußbodenheizung” für die Pflanzen im ersten Versuch sparen. Nur bitte die Anzuchtbox nicht direkt auf die Heizung stellen. Mehr als 36 Grad sind jedenfalls zu viel für die Kleinen und eine gewisse Luftfeuchtigkeit ist auch unbedingt nötig!

Wanne mit SockelnManche Hersteller (z. B. Romberg) versehen ihre Bodenwannen mit kleinen Sockeln, sodass sie leicht erhöht auf der Heizmatte stehen würden (siehe Foto links). Dadurch entstehen aber große Verluste bei der Wärmeübertragung. Deshalb sind alle Sockel vorsichtig z. B. mit einem Teppichmesser zu entfernen. Die Wanne darf dabei aber auf keinen Fall beschädigt werden! – Dass die Wanne später waagerecht stehen muss, um das Wasser gleichmäßig allen Keimlingen zur Verfügung zu stellen, versteht sich vermutlich von selbst!  😉

Wenn die Box auf der Fensterbank steht, wäre irgendeine Art von Isolierung zwischen der kalten Fensterbank und Box, bzw. Heizung sinnvoll, da sonst viel Energie der Heizung in die Fensterbank geht. Im Baumarkt fallen einem genügend preiswerte Alternativen ein (z. B. einseitig mit Aluminium beschichtete Styroporplatten). Die Isolierung ist auf dem Foto ganz oben links zu erkennen. Ich empfehle zwei Platten mit je 6 mm Stärke zusammenzukleben, sodass man auf 1,2 cm Dicke kommt. Die Alu-Beschichtung zeigt somit immer nach außen, damit das Styropor nicht an der warmen Heizmatte kleben bleibt. Um zu sparen kann man aber auch auf ein mindestens 10 mm dickes Holzbrett eine Alufolie beidseitig aufkleben. Auf dieser Beschichtung liegt die grüne Heizmatte mit rund 20 Watt (bei ca. 25 x 35 cm Größe) und darauf steht das Minigewächshaus. Bei meinen Tests hat solch eine Styropor-Isolierung eine 5 Grad höhere Erdtemperatur bewirkt! Ob die 20Watt-Heizmatte ausreichend Power hat, um im kalten Keller die Anzuchtbox zu beheizen, habe ich nicht getestet! Meine Box steht in einem ungefähr 21 Grad warmen Raum und ich nutze generell die etwas teurere Romberg-Heizmatte mit 17 Watt..

Die Heizmatte wird bei mir über eine Schaltuhr betrieben, damit die Erdtemperatur nicht zu hoch wird. Außerdem spart es Strom und etwas Geld. 15 Minuten heizen und dann 15 Minuten Pause im Wechsel bei 21 Grad Raumtemperatur ist ein praxisnaher Wert, um bis zu 30 Grad Erdtemperatur zu erreichen. Solange noch keine Keimlinge wachsen, kann man die Heizung besser rund um die Uhr laufen lassen (ca. 34 Grad Erdtemperatur).

Mit vorhandenen Keimlingen sollte man abends gegen 20:00 Uhr die Wärme, durch Wegfall einer 15-Minuten-Heizperiode pro Stunde, verringern, um die Keimlinge an das Vorhandensein von Tag und Nacht zu gewöhnen. Morgens sollte dann ab ca. 04:00 Uhr wieder die normale Einschaltdauer eingestellt werden. Das alles nur bei Verwendung des Minigewächshauses mit Wasserbefüllung. Durch das Wasser in der Wanne wird die Erdtemperatur so gepuffert, dass zumindest tagsüber keine großen Schwankungen in der Temperatur auftreten sollten.

Die Haube ist grundsätzlich geschlossen, um für eine hohe Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Die Schieber werden allerdings dauerhaft offen gelassen oder am Besten gleich herausgedrückt. Der Austausch der Luft ist sehr wichtig wegen des ansonsten schnell anfallenden Schimmels. Warm genug wird es trotzdem in der Box! Idealerweise sollte die Erdtemperatur dauerhaft zwischen 28 und 32 Grad liegen. Die Lufttemperatur ist nicht so kritisch (>20 Grad) und regelt sich durch die Wasser- und Erdtemperatur von allein.

Weiterhin braucht man natürlich irgendwelche Anzuchttöpfchen. Die Ansicht, welche der Billigvarianten die Beste ist, gehen auseinander. Jedes System hat Vor- und Nachteile. Drei Beispiele gibt es auf dem Foto weiter unten: Kunststoff-, Papp oder Torf-Töpfchen. Ich bevorzuge in diesem Fall Kunststoff. – Jeder in meinen Anzuchtseiten genannte Kunststofftopf hat mehrere Löcher, in denen von unten das Wasser hineinfließen kann.

Zwei Wochen vor dem eigentlichen Anzuchtstart werden die Samen eine Woche in warme Salpeterlösung und erst nach dieser Zeit in die Erde gelegt. Dadurch sind die Hüllen schon etwas weicher und der Keim ist besser motiviert “auszubrechen”.

Werden bereits verwendete Kunststoff-Töpfchen genutzt, so sind diese vorher unbedingt blitzblank mit heißem Wasser zu reinigen, um Bakterienbefall, Moos- und Schimmelbildung zu verhindern! Topfplatten ohne Löcher sollten nicht verwendet werden! Die Samen und Keimlinge bekommen ausschließlich von unten Wasser!

Nun gibt man die gute Anzuchterde (möglichst mit Perliten vermischt) in alle Töpfchen der Anzuchtplatte, lässt aber oben noch ein bisschen Platz. Dann klopft man ein bis zweimal die ganze Anzuchtplatte leicht auf eine Unterlage und füllt die entstandenen Löcher mit weiterer Anzuchterde locker auf, so dass wiederum noch etwas Platz bis zur Oberkante ist. Anschließend wird in jedes Töpfchen ein Samenkorn mittig auf die Oberfläche gelegt und danach ganz wenig (2 bis 4 mm) der gesiebten Anzuchterde oben auf den Samen und um zu ganz locker verteilt. Der Samen muss jetzt auf jeden Fall komplett mit Erde bedeckt sein! Danach die Erde nicht zu fest andrücken! Ich nehme dazu einen ausrangierten trockenen Teelöffel.

Wenn die mit Erde und Samen gefüllte Anzuchtplatte in der Wanne steht, füllt man einmalig so viel Wasser in die untere Schale der Box, bis das Wasser ca. 3 cm hoch steht. Beim späteren Nachfüllen sollten es nur noch gut 1 cm sein, wegen der Schimmelbildung. – Da ich die Keimlinge wegen der guten Beleuchtung (nur bei der Anzucht mit LEDs) und des damit verbundenen besseren Wachstums möglichst lange in der Box halten will, habe ich die Töpfchen so groß gewählt. (Außerdem passen zur Not vier Samen in ein Töpfchen, müssen dann aber später sehr sehr vorsichtig vereinzelt werden!) Man kann natürlich auch kleinere Töpfchen benutzen, aber dann muss man wegen der Wurzelbildung früher umtopfen. Ich rechne mit vier bis sechs Wochen, die die Keimlinge an diesem Ort verbringen werden. Wenn sie vorher schon an den Deckel stoßen (gute 10 cm Höhe), wird es Zeit für das Umtopfen in einen größeren Topf (z. B. 7 cm x 7 cm). Dann sind die Wurzeln noch nicht zu sehr ineinander verwachsen. Die Pflanzen verbringen weitere 6 bis 8 Wochen bei Sonnenlicht und Zimmertemperatur in diesen Töpfen, bis sie dann Anfang Juni in ihre endgültigen Töpfe (ca. 15 bis 40 cm Durchmesser) umgetopft und in den Garten gestellt werden können.

Aber zurück zur Anzuchtbox. Sobald mehrere Keimlinge zu sehen sind, wird die Heizung tagsüber im Wechsel 15 Minuten ein und 15 Minuten ausgeschaltet. Bei mir ergeben sich dadurch gute 25 Grad Erdtemperatur mit Lüfterbetrieb. Nachts kann die Temperatur auf 20 Grad gesenkt werden, indem man nur noch 15 Minuten pro Stunde heizt (18:00 – 04:00 Uhr). Das gewöhnt die kleinen an die spätere Wirklichkeit und sorgt für verbessertes Wachstum und Wurzelbildung, wenn auch bei geringerem vertikalen Wuchs. Sind die Keimlinge schon gute 5 cm hoch, so sollte man ihnen mehr Stabilität geben, indem man die restliche Erde vorsichtig auffüllt. Ab Anfang Mai wird die Heizmatte ausgeschaltet.

Bei dieser Variante sollten die hoffentlich vorhandenen seitlichen Belüftungslöcher im Deckel unbedingt frei bleiben, um die Schimmelgefahr zu verringern! (Siehe auch Bemerkung zu Kunststoff-Füßen ganz unten.) Eventuell anfallender Schimmel sollte frühzeitig entfernt werden! Lüfter für die Abluft, wie sie in der LED-Anzuchtanleitung beschrieben werden, sind eine große Hilfe gegen Schimmel! Dann sind die seitlichen Löcher nicht mehr erforderlich, aber die Füße unter dem Deckel sind auch hier wichtig!

Manuell gewässert wird die Box, indem man zwischen den Töpfchen und der Bodenwanne (Regen-) Wasser einfüllt. Die Pflänzchen müssen sich das Wasser somit “ansaugen” und werden nicht von oben kaputt gegossen. Bei mir ergibt sich bei einem Wasserstand von 1 cm eine Befüllung mit Wasser jeden zweiten Tag.

Eine automatische Wasserbefüllung hat sich für diese Art von Anzuchtboxen bei mir nicht bewährt und verführt außerdem dazu, seine “Babys” zu vergessen! Eine Wasseranzeige dagegen ist noch in Planung.

Ein weiteres “Werkzeug” für die Anzucht ist ein ausrangierter Teelöffel, mit dem man die Erde nach dem Befüllen mit Samen vorsichtig glattstreicht. Das geht auch mit den Fingern! Mein hölzerner “Erdandrücker” hat die Erde aber so fest angedrückt, dass sich kein Keimling mehr hinausgetraut hatte! 🙁